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  • Achtsamkeit

    Achtsamkeit bedeutet das bewusste Wahrnehmen dessen, was gerade geschieht. Achtsam sein heisst, eine nichtbewertende, akzeptierende Haltung einzunehmen und den sinnlichen Erfahrungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken (vgl. Huppertz 2006). Achtsamkeit fördert das bewusste Erleben jeden Augenblicks und führt somit zur Durchbrechung des Autopilotenmodus. Unter ‘Autopilotenmodus’ versteht Kabat-Zinn (1990), dass sich Menschen immer mehr vom eigenen Erleben und Verhalten ‘ablenken’ (lassen) und ‘halbbewusst’ in automatisierten, unreflektierten und starren Verhaltens- und Erlebnismustern funktionieren. Achtsamkeit durchbricht diese starren Muster und fördert die Fähigkeiten des Beobachtens, Akzeptierens und Aushaltens. Dies führt unter anderem zur aktiven positiven Beeinflussung negativer Emotionen, zu mehr Kreativität, zum Wissen um eigene Ressourcen und zu einer Sinnerfahrung (vgl. Kohärenzgefühl).

    Das Konzept der Achtsamkeit hat in letzter Zeit verstärkt Eingang in die Pädagogik gefunden. Achtsamkeit ist erlernbar und kann durch gezielte Übungen im Unterricht gelehrt werden.

    In der Psychotherapie wird die Achtsamkeit bereits seit längerem in verschiedenen Programmen trainiert. Therapieansätze, die sie zu einem ihrer Bestandteile machen, werden bei unterschiedlichen psychischen Störungen angewendet. Verschiedene Studien belegen, dass eine achtsame Haltung mit einer besseren psychischen Gesundheit einhergeht und insbesondere Kompetenzen zur Emotionsregulation und Stressregulation fördert (vgl. Altner 2006; Bergomi 2007).

  • ADHS

    ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, auch als Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung (HKS) bekannt. ADHS ist eine bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung, die sich durch Probleme mit der gerichteten Aufmerksamkeit/ Konzentration sowie der Impulsivität und häufig auch Hyperaktivität äussert. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Die Symptome können mit unterschiedlicher Ausprägung bis in das Erwachsenenalter hinein fortbestehen.

  • Aufmerksamkeitsfähigkeit

    Kinder sind im Verlauf ihrer Entwicklung mehr und mehr in der Lage, auch subtile Reize aus ihrer sozialen Umwelt wahrzunehmen und die Bedeutung der Reize zu unterscheiden. Dies führt zu einer immer effektiveren und komplexeren Informationsverarbeitung. Neuropsychologisch betrachtet bilden sich mit zunehmenden sozialen Erfahrungen neuronale Strukturen, welche sich im Laufe der Zeit verfestigen und automatische Abläufe ermöglichen. Diese ‘neuronalen Pfade’ gewährleisten eine effektive Informationsverarbeitung. Je nach Lernerfahrung können aber auch ungünstige oder schädigende Verarbeitungsstrategien entstehen, die dann nur schwer veränderbar sind (vgl. Hacker, 2007).

  • Belastung (Stress)

    «Als Stress bezeichnet man einen Zustand des Ungleichgewichts. Aussergewöhnlich starke körperliche, seelische, geistige oder soziale Anforderungen beanspruchen die vorhandenen Anpassungs- und Regulationsfähigkeiten eines Menschen in hohem Masse oder übersteigen sie (Franzkowiak 2005).»

  • Beziehungskompetenz

    Beziehungskompetenz ist die umfassendste Kernkompetenz im sozial-emotionalen Lernen und setzt alle anderen Kernkompetenzen voraus.

    Gemeint ist die Fähigkeit einer erfolgreichen Emotions- und Impulsregulation als Basis für gelingende soziale Beziehungen. Es geht darum, die Gefühle und Verhaltensweisen anderer zu erkennen und zu achten. Auch bei der Beziehungskompetenz spielt die Achtung und Akzeptanz des „Andersseins“ eine grosse Rolle. Kinder mit guter Beziehungskompetenz schaffen es, ein Zusammenspiel zwischen eigenen Gefühlen, Wünschen und Verhaltensweisen und denen anderer Menschen auszubalancieren. Rücksichtnahme und Mitgefühl sind Komponenten der Beziehungskompetenz, aber auch die Verwirklichung eigener Ziele. Zur Beziehungskompetenz gehören auch Konfliktlösungsfähigkeiten.

  • Coping

    Als «Coping» bezeichnet man kognitive und verhaltensbezogene Strategien, die angewandt werden, um mit den Anforderungen des täglichen Lebens umzugehen. Coping-Strategien setzen sich aus Gedanken, Gefühlen und Handlungen zusammen, die in unterschiedlichen Ausmassen genutzt werden, um in bestimmten Situationen mit Sorgen und Ängsten umzugehen. Coping-Fähigkeiten werden durch vorherige Erfahrungen, Beobachtung anderer, Wahrnehmung der eigenen biologischen Dispositionen und soziale Einbindung erworben (vgl. Schmidt 2003).

  • Differenzierung

    «Differenzierung» bedeutet in den MindMatters-Modulen die optimale Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler in ihren unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Fähigkeiten und Interessen. Nach Vollstedt (1997) unterliegt das Lernen als ein individueller und konstruktiver Vorgang fördernden und hemmenden Bedingungen. Durch Differenzierung sollen die individuellen Besonderheiten der Schüler/-innen gestärkt und Lernanlagen entwickelt werden. Durch Differenzierung können gemeinsames Lernen und individuelle Kompetenzen gefördert werden.

  • Elternzusammenarbeit

    Im Programm MindMatters wird die schulische Zusammenarbeit mit den Eltern betont und als wechselseitige Unterstützung in Gesundheits-, Erziehungs– und Bildungsbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler verstanden. Den Eltern kommt dabei eine eigenständige aktive Rolle zu, sie sind Teil der Schulgemeinschaft (Setting). MindMatters verwendet deshalb den Begriff «Elternzusammenarbeit» anstelle des eingebürgerten Begriffs "Elternarbeit". Der Begriff "Elternarbeit" transportiert ein handwerklich geprägtes Bild einer «Arbeit an Eltern», die eher die Zuweisung von die Schule unterstützenden Aufgaben im Sinne von Elternpflichten als echte Partizipation an der Schulentwicklung signalisiert (vgl. dazu Erler, Gorecki, Purschke & Schindel 2009).

    Wenn im MindMatters-Elternmodul von «Erziehungsbündnis» oder «Erziehungspartnerschaft» die Rede ist, ist damit ein übergeordnetes Leitbild der Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern gemeint.

  • Emotionale Selbstwirksamkeit

    Bei der «emotionalen Selbstwirksamkeit» geht es um das Akzeptieren des eigenen emotionalen Erlebens, ob exzentrisch oder normal, negativ oder positiv. Menschen mit hoher emotionaler Selbstwirksamkeit können intensive negative Emotionen wie Verzweiflung oder Wut bei sich tolerieren. Sie lassen sich nicht von diesen Emotionen überwältigen, weil sie ein Gefühl relativer Kontrolle über ihr emotionales Erleben haben und sich dabei selbst achten (vgl. Saarni 2002). Die Selbstwirksamkeitserwartung entwickelt sich durch Erfahrungen. In pädagogischen Kontexten können also gezielt Situationen zur Erfahrung von emotionaler Selbstwirksamkeit angeboten werden.

  • Emotionen

    Emotionen sind kurzfristige, in der Regel unbewusste, messbare Reaktionen des Körpers, sowohl auf Reize aus der Umwelt (Situationen, Personen) als auch auf Aktivitäten des eigenen Organismus (durch Bewegung kann Freude entstehen). Emotionen haben einen bedeutenden Einfluss auf unsere Wahrnehmung, unser Verhalten und unsere Gedanken (vgl. Spitzer 2010).

    Eine Emotion hat verschiedene Komponenten. Personen, die eine bestimmte Emotion haben, nehmen gedanklich eine Bewertung des Ereignisses vor, das die Emotion ausgelöst hat (kognitive Komponente); bemerken körperliche Veränderungen, z. B. eine rote Gesichtsfarbe (physiologische Komponente; erleben ein meist benennbares Gefühl, wie z. B. Ärger oder Scham (Gefühlskomponente); zeigen in der Folge der Emotion häufig vergleichbare Verhaltensweisen (motivationale Komponente).

  • Emotionsregulation

    Hiermit werden Strategien zur Umformung des Gefühlsimpulses bezeichnet, umgesetzt durch eine Intensivierung oder Abschwächung des Gefühls im Ausdruck, im Erleben oder im Zeigen (Mimik, Gestik). Emotionsregulation verweist auf die Fähigkeit, seine Emotionen aktiv und zielorientiert (Welches Gefühl will ich empfinden? Welches Gefühl sollte ich nicht zeigen, um andere Kinder nicht zu verletzen?) zu beeinflussen. Kinder, die in der Lage sind, ihre Emotionen zu "regulieren", fühlen sich ihren Emotionen nicht passiv ausgeliefert und haben gelernt, das erlebte Gefühl zunächst akzeptierend zu verstehen. Sie kennen unterschiedliche Reaktionen auf ihr Gefühl und können bewusste und situationsangemessene Reaktionen zeigen.

    Bei der Emotionsregulation wird zwischen intrapsychischer und interpsychischer Regulation unterschieden: intrapsychische Emotionsregulation bezieht sich auf die selbstständige Emotionsregulation ohne Zuhilfenahme weiterer Personen (z. B. Lutschen am Daumen), interpsychische Emotionsregulation meint Regulationsbemühungen im sozialen Kontext, bei denen andere Personen unterstützend (mit)wirken (z. B. in den Schlaf wiegen oder trösten).

  • Empathie und Mitgefühl

    Empathie kann allgemein mit «einfühlendem Verstehen» übersetzt werden. Mitgefühl basiert häufig auf empathischer Traurigkeit, die sich aus der Situation eines anderen ergibt. Mitgefühl kann aber auch dadurch ausgelöst werden, dass man sich kognitiv in die Position eines anderen hineinversetzt. Im Englischen wird Mitgefühl mit «sympathy» (versus «empathy» für Empathie) ausgedrückt.

    Empathie führt nicht immer zu einer mitfühlenden Reaktion, sie kann auch die Gefahr in sich bergen, sich das Leid eines anderen Menschen zu fest an sich heranzulassen und die sichere Distanz zu verlieren. In Anlehnung an Malti, Häcker & Nakamura (2009) wird in diesem Unterrichtsheft bewusst der Begriff Mitgefühl verwendet, weil er eher als Empathie eine Motivation zum Handeln beinhaltet.

  • Empowerment

    «Empowerment» bezeichnet die Strategie, in allen relevanten Prozessen des Lehrens, Lernens und Zusammenlebens in der Schule Handlungsspielräume zu erschliessen, in denen die Schüler/-innen ihre eigenen Fähigkeiten erkennen, eigene Wirksamkeit erfahren und Eigenverantwortung für ihr jeweiliges Tun begreifen können. Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Gesundheit der Schüler/-innen werden dadurch gesteigert (vgl. Dür 2007).

  • Entscheidungskompetenz

    Entscheidungskompetenz bedeutet, über vielfältige Ausdrucks- und Handlungsmöglichkeiten zu verfügen und daraus eine sinnvolle und effektive Auswahl treffen zu können. Kinder mit hoher Entscheidungskompetenz sind in der Lage, situationsgerecht zu reagieren und dabei eigene Ziele zu verfolgen. Sie können die Konsequenzen ihres Tuns ermessen. Dazu gehört auch, vornehmlich belastende oder negative Gefühle erfolgreich zu steuern und zu regulieren. Gelingt der Einsatz von Regulationsstrategien (z. B. Angst wahrnehmen und zulassen, aber selbst aktiv bleiben sowie Handlungsmöglichkeiten überlegen und eine effektive Auswahl treffen), kann die Dauer und die Intensität negativer Emotionen verringert und deren Eskalation vermieden werden.

  • Evaluation

    «Evaluation» ist ein Begriff, der sich bisher einer allgemeingültigen Definition entzieht und dessen Bedeutungen sich überdies in den letzten zwei Jahrzehnten massiv geändert haben. Für viele sozialwissenschaftliche Fragestellungen kommt der folgende Definitionsversuch der Praxis relativ nahe: «Evaluation ist ein Prozess des systematischen Sammelns und Analysierens von Daten/Informationen, um - an kriterienorientierte - Bewertungsurteile zu ermöglichen, die auf begründeter Evidenz beruhen» (Rolff, 2000).

  • Gefühle

    Gefühle bezeichnen das persönliche Erleben von Emotionen. Die Interpretation der eigenen Wahrnehmung von emotionalen Prozessen oder derjenigen anderer Personen (z. B. anhand von körperlichen Reaktionen, Mimik oder Gestik) umschreibt Gefühle. Gefühle sind der Versuch, beobachtbare Prozesse sprachlich zu erfassen. Es gibt nach Ekman (1998) sechs Basisgefühle: Furcht, Freude, Ärger, Überraschung, Ekel, Traurigkeit.

    In der Regel stimmen Emotionen und Gefühle überein. Die Übereinstimmung ist jedoch ein Lernprozess, der aus der Fähigkeit zu Achtsamkeit und Reflexion resultiert.

  • Gesundheit

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO 1946) definiert Gesundheit als «Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens» und nicht nur «als Freisein von Krankheit und Gebrechen».

    Eine weiterführende Definition wurde von Hurrelmann (2003) vorgelegt. Er definiert Gesundheit als «den Zustand des objektiven und subjektiven Befindens einer Person, der gegeben ist, wenn diese Person sich in den physischen, psychischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung in Einklang mit den Möglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äusseren Lebensbedingungen befindet».

  • Gesundheitsbildung

    Gesundheitsbildung bzw. -erziehung befasst sich nicht nur mit der Verbreitung von Informationen, sondern auch mit der Verbesserung der Gesundheit sowie der Stärkung von Motivation, Kompetenzen und Vertrauen. Die Verbreitung von Informationen über die Gesundheit schliesst beeinflussende soziale und ökonomische Bedingungen und Umweltbedingungen mit ein, aber auch individuelle Risikofaktoren, Risikoverhaltensweisen und die Nutzung des Gesundheitssystems. Insofern steht in der Gesundheitsbildung bzw. -erziehung auch die Entwicklung von Kompetenzen im Mittelpunkt, welche die politischen und organisatorischen Möglichkeiten unterschiedlicher Handlungen demonstrieren und mittels derer soziale, ökonomische und Umwelt-Determinanten von Gesundheit beeinflusst werden können (vgl. WHO, 1998).

  • Gesundheitsfördernde Schule

    Eine gesundheitsfördernde Schule verständigt sich über ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag, setzt ihn erfolgreich um und leistet damit einen Beitrag zur Bildung nachhaltiger Entwicklungen. Sie weist gute Qualitäten in folgenden Bereichen auf und sorgt für deren stetige und nachhaltige Verbesserung durch Schulentwicklung:

    Pädagogische Wirkungen, Bildungs- und Erziehungserfolg:
    Die gesundheitsfördernde Schule fördert bei den Schüler/-innen Kompetenzen und Haltungen, die ihre Bereitschaft zum lebenslangen Lernen stärken und sie befähigen, in einer sich verändernden Gesellschaft ein erfolgreiches und gesundes Leben zu führen.

    Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht:
    Die gesundheitsfördernde Schule wendet bei der Gestaltung der Strukturen und Prozesse von Schule und Unterricht konsequent Erkenntnisse der Gesundheits- und Bildungswissenschaften an (Partizipation, Transparenz, Orientierung an der Salutogenese)

    Gesundheitsbildung und –erziehung:
    Die gesundheitsfördernde Schule fördert das Gesundheits- und Sicherheitsbewusstsein sowie die Gesundheitskompetenzen von Schüler/-innen (vgl. Brägger, Paulus & Posse 2005; Paulus 2009).

     

  • Gesundheitsförderung

    «Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Mass an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können [...]. Gesundheitsförderung ist ein komplexer sozialer und politischer Prozess; sie schliesst nicht nur Handlungen und Aktivitäten ein, die auf die Stärkung der Kenntnisse und Fähigkeiten von Individuen gerichtet sind, sondern auch solche, die darauf abzielen, soziale, ökonomische sowie Umweltbedingungen derart zu verändern, dass diese positiv auf individuelle und öffentliche Gesundheit wirken. Gesundheitsförderung ist der Prozess, die Menschen zu befähigen, ihre Kontrolle über die Determinanten von Gesundheit zu erhöhen und dadurch ihre Gesundheit zu verbessern. Aktive Beteiligung (Partizipation) ist essentiell um Gesundheitsförderungsaktivitäten zu erhalten» (WHO, 1998).

  • Heterogenität, Interkulturalität und Transkulturalität

    In der pädagogischen Diskussion beschreibt der Begriff der Heterogenität die Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler hinsichtlich verschiedener Merkmale, die als lernrelevant eingeschätzt werden. Im Vordergrund steht dabei die Heterogenität der Persönlichkeit und Begabung, der schulischen Leistungen und des Lernvermögens, des Alters, des Geschlechts, der physischen und psychischen Voraussetzungen, der Besonderheiten kindlicher Aufwachsensbedingungen und Biografieverläufe sowie der kulturellen Heterogenität in einer Lerngruppe.

    In der neueren Primarschulpädagogik wird nicht mehr von homogenen Lerngruppen ausgegangen. Es geht um eine Pädagogik der Vielfalt und Anerkennung der Unterschiedlichkeiten, die zum einen durch schülerorientierten Unterricht heterogene Lernsituationen schafft (Differenzierung) und zum anderen zu einem toleranten, dialogischen und konfliktlösenden Handeln befähigt.

    Die kulturelle Heterogenität ist ein Aspekt davon. In der interkulturellen Pädagogik geht es um das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, also um den Umgang mit «Fremdheit». Alle Kulturen dürfen hierbei gleichberechtigt nebeneinander bestehen und der Lernprozess (Erkennen von Unterschieden/Gemeinsamkeiten) kann auf allen Seiten stattfinden. Bei der interkulturellen Erziehung handelt es sich um einen umfassenden pädagogischen Ansatz, der jegliche Differenz zwischen Menschen (also auch Geschlechterdifferenz, soziale Differenz, intellektuelle Differenz usw.) zum Gegenstand der produktiven Auseinandersetzung macht.

    In letzter Zeit wurde das Konzept der Transkulturalität verstärkt in der Pädagogik diskutiert. Dieses geht von einem anderen Kulturbegriff aus und versucht, Kulturen jenseits des Gegensatzes von Eigenkultur und Fremdkultur zu sehen; Kultur als Traditionszusammenhang innerhalb einer Gesellschaft oder eines Staates wird aufgelöst. Aus der wechselseitigen Verschränkung von Globalisierung, Regionalisierung und Lokalisierung sind neue kulturelle Phänomene entstanden, die sich nicht mehr den klassischen Kulturen zuordnen lassen. Multikulturalität erscheint nicht mehr als die gleichzeitige Anwesenheit kulturell unterschiedlicher Einzelgruppen innerhalb einer Gesellschaft, sondern als eine Konstellation, in der die einzelnen Gesellschaftsmitglieder gleichzeitig an verschiedenen Kulturen teilhaben oder die verschiedenen Kulturen als Orientierung nutzen können (vgl. Göhlich, Liebau, Leonhard & Zirfas 2006). Beispiel: Es handelt sich um Transmigration, wenn ein türkischer Junge nach seiner Übersiedelung nach Deutschland nicht mit der türkischen Kultur bricht, sondern sowohl die türkische als auch die deutsche Kultur zur Orientierung nutzt.

  • Ich-Bewusstsein

    Mit «Ich-Bewusstsein» sind die bewusste Wahrnehmung und das Verständnis der eigenen Emotionen und individuellen Stimmungen gemeint. Dazu gehört die Fähigkeit zu erkennen, dass mehrere Gefühle gleichzeitig auftreten können. Kinder mit Ich-Bewusstsein haben ein Vokabular für ihre Emotionen, das sie bei der Kommunikation mit anderen verwenden können. Ich-Bewusstsein meint auch Selbstbewusstsein. Wie nimmt sich ein Kind selbst wahr? Wie zeigt es seine Persönlichkeit und seine körperliche Präsenz gegenüber dem sozialen Umfeld? Wie möchte es gern wahrgenommen werden? Das Ich-Bewusstsein ist somit eine Basisfähigkeit sozial-emotionaler Kompetenz.

  • Inklusion

    Inklusion wird im Programm MindMatters als «Sense of belonging» verstanden. Damit ist gemeint, das System Schule so zu gestalten, dass niemand ausgeschlossen wird und sich alle dazugehörig fühlen. Nicht das Kind soll geändert werden, sondern das System: Schule und Strukturen werden auf die Lernbedürfnisse der Kinder angepasst. Inklusion bedeutet, Teil der Gemeinschaft zu sein (vgl. Reicher 2010). «Verschiedenheit als Bereicherung betrachten» ist das Leitmotiv des gesamten MindMatters-Programms. Allen Kindern soll die Teilhabe an Bildung ermöglicht werden: Es ist normal, verschieden zu sein.

  • Intervention

    Als Intervention (von lat. «intervenire» = «dazwischen schreiten, sich einschalten») im psychologischen Sinne bezeichnet man die Anwendung von Massnahmen oder Programmen in einem bestimmten Setting mit dem Ziel der Beeinflussung oder Verhaltensänderung bei Personen (z. B. Intervention nach einem Mobbingfall in einer Klasse). Interventionsmassnahmen können als von aussen gesteuerte, zielgerichtete und systematische Veränderungen von Personen- oder Systemmerkmalen verstanden werden.

  • IQES (Instrumente für die Qualitätsentwicklung und Evaluation in Schulen)

    Das IQES-Wirkungsmodell einer gesundheitsfördernden Schule verbindet Unterrichtsentwicklung mit Gesundheitsförderung, Evaluation und Feedback zu einem effektiven unterrichtszentrierten Qualitätsmanagement. Als Modell einer integrierten Qualitäts- und Gesundheitsförderung führt IQES die Gesundheitsförderung nicht als eigene Dimension auf, sondern siedelt sie als Querschnittsaufgabe in allen acht Qualitätsdimensionen an. Um den Beitrag für eine nachhaltig gesundheitsfördernde Schule besonders zu unterstreichen, wurde zusätzlich als Basis jeder Qualitätsdimension ein eigener Bereich zur Gesundheitsförderung eingeführt.

  • Kohärenzgefühl

    Das Kohärenzgefühl wird durch drei Merkmale charakterisiert: Verstehbarkeit, Machbarkeit und Sinnhaftigkeit.

    Verstehbarkeit:
    Die Anforderungen aus der inneren und äusseren Erfahrungswelt im Verlauf des Lebens sind strukturiert, überschaubar und erklärbar. («Gefühl der Verstehbarkeit» – «Ich verstehe es»).

    Machbarkeit:
    Es stehen Ressourcen zur Verfügung, die nötig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden («Gefühl der Machbarkeit» – «Ich kann es schaffen»).

    Sinnhaftigkeit:
    Diese Anforderungen sind Herausforderungen, die Investitionen und Engagement verdienen und bedeutsam für mich sind («Gefühl der Sinnhaftigkeit» – «Es lohnt sich»).

    Bezogen auf die Schule heisst das: Einem Kind, das versteht, warum es in der Schule bestimmte Aufgaben erfüllen soll, die notwendigen Ressourcen mitbringt (also nicht überfordert oder unterfordert ist) und den Sinn der Aufgaben für sich selbst sieht, wird sie gut bewältigen und wird sich dabei wohlfühlen und zufrieden sein.

    Dem Kohärenzgefühl kommt eine besondere Bedeutung bei der Entwicklung realistischer Lebensentwürfe und damit für eine gelingende Identitätsbildung zu. Es bietet Kindern und Jugendlichen Sicherheit und unterstützt sie dabei, Widersprüchlichkeiten und unklare Situationen nicht als Problem, sondern als Herausforderung zu sehen. In der Bewältigung der Herausforderungen erfahren sie ihre Kompetenz und lernen, sich etwas zuzutrauen. Entscheidend für die Entwicklung des Kohärenzgefühls sind partizipative Lebenserfahrungen: Kinder und Jugendliche spüren dabei, dass sie mit ihrer Persönlichkeit und ihren Interessen und Wünschen wahrgenommen und wertgeschätzt werden und sich aktiv mit dem für sie Bedeutsamen in die schulische Gemeinschaft einbringen können.

  • Komorbidität

    Komorbidität bezeichnet das gemeinsame Auftreten von (psychischen) Störungen bei einem Individuum. Es gibt unterschiedliche Zusammenhänge zwischen den gemeinsam auftretenden Störungen; sie können unabhängig voneinander bestehen, sich wechselseitig beeinflussen oder eine direkte Folge sein. Beispiel: Ein Kind, das Essstörungen hat, übergewichtig ist, Probleme im Sportunterricht bekommt, sich unwohl fühlt und wegen seines Aussehens gehänselt wird, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit ein geringes Selbstwertgefühl entwickeln und vielleicht sogar emotional auffällig oder depressiv reagieren.

  • Lehrpersonengesundheit

    Verschiedene Studien belegen, dass jede fünfte Lehrperson psychisch belastet ist. Das wirkt sich auch auf die Pensionierungszeiten aus: 52 % der krankheitsbedingten Frühpensionierungen erfolgen aufgrund von psychischen und psychosomatischen Leiden, wobei Frauen überproportional häufiger (56 %) infolge einer psychischen Störung frühpensioniert werden als männliche Lehrpersonen (vgl. Weber et al. 2004). Mit 36 % sind depressive Störungen die häufigste Ursache, gefolgt von Erschöpfungs- und Burnout-Symptomen. Auch bei den Beschwerdebildern rangieren Erschöpfung und Müdigkeit auf den oberen Plätzen. Etwa 50 % der Befragten geben Stresssymptome wie Müdigkeit, Kreuz- und Rückenschmerzen an. Das hohe Beanspruchungspotenzial im Lehrberuf entsteht nach Einschätzung der Lehrpersonen vor allem aus den Tätigkeiten Noten geben, Korrektur von Klassenarbeiten sowie administrativen Pflichten. Als Ressourcen und damit entlastend gelten die Faktoren Arbeitsklima im Kollegium, wertschätzendes und mitarbeiterorientiertes Schulleiterverhalten sowie Fortbildungsförderung (vgl. Harazd, Gieske & Rolff 2009). Die Belastung zeigt sich auch in der Arbeitszufriedenheit: Selbst wenn Lehrpersonen zu über 80 % den Beruf wiederwählen würden, zeichnet sich bei vielen der befragten Lehrpersonen eine ungünstige Balance zwischen Berufs- und Privatleben ab: Der berufliche Stress wirkt sich negativ auf das Privatleben aus. Es fällt vielen Lehrkräften schwer, ein gesundes Gleichgewicht zwischen wachsenden Berufsanforderungen und eigenen Ressourcen zu finden und zu halten, die Berufsziele so zu formulieren, dass sie bewältigt werden können und sich Erfolge einstellen. Eine wesentliche Ursache für das Fehlen des gesunden Gleichgewichts ist in schulischen Arbeitsbedingungen zu finden. Als ungünstig gelten das oftmals nicht vorhandene Schulleitbild oder ein mangelnder «pädagogischer Ethos» des Kollegiums, das Fehlen klarer Strukturen sowie fehlende Aufgaben- und Rollendefinitionen (vgl. Nieskens & Sieland 2008).

  • Life-Skills

    Mit diesem Begriff sind «Alltagskompetenzen» gemeint, d. h. «Kompetenzen und Fähigkeiten, die es einer Person ermöglichen, die Anforderungen des Alltagslebens erfolgreich zu bewältigen.» Solche Lebenskompetenzen sind z. B. Problemlösefähigkeiten, Fähigkeiten, mit Stress umgehen zu können, Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen und Widerstand gegen Gruppendruck. Bei dem von der WHO entwickelten «Life skills approach» steht die Förderung allgemeiner Lebenskompetenzen junger Menschen im Mittelpunkt. Dabei geht es nicht ausschliesslich darum, Risikogruppen beim Aufbau einer stabilen Basis für die gesunde Entwicklung zu unterstützen, sondern grundsätzlich zu einer Stärkung der psychosozialen Kompetenzen und adaptiven Copingstrategien im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen beizutragen (Haisch, Weitkunat & Wildner 1999).

  • Mobbing

    «Mobbing» oder «Bullying» kann definiert werden als ein eskalierender Prozess, in dessen Verlauf ein oder mehrere Personen bewusst eine Machtposition regelmässig (z. B. wöchentlich) und über einen längeren Zeitraum (z. B. sechs Monate oder länger) in Form von direkten/indirekten Attacken missbrauchen, um eine andere Person oder Gruppe physisch/psychisch/emotional zu ihrem eigenen Vorteil zu schädigen, während diese nicht in der Lage ist, sich angemessen zu verteidigen oder der Situation ohne Schäden zu entkommen. Ein einzelnes Vorkommnis, in dem sich ein oder mehrere Personen weitgehend gleicher Stärke bekämpfen, kann nicht als Bullying bezeichnet werden (nach Witteriede & Paulus 2008, S. 8).

    Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass das Programm MindMatters Mobbing (engl. «to mob» = «angreifen, anpöbeln, schikanieren») als ein komplexes soziales Phänomen versteht, da sich die Tat zum einen nicht zwangsläufig «nur» an das Opfer richtet, sondern indirekt auch an andere Personen, denen die Stärke und die Überlegenheit des Täters demonstriert werden soll. Zum anderen ist die Einbindung Dritter als Verstärkung oder Entschärfung der Situation für das Opfer wichtig. Die Präventionsmassnahmen richten sich daher nicht nur an Täter und Opfer, sondern auch an das gesamte Setting Schule als sozialen Lebensraum, in dem Mobbing stattfindet.

  • Partizipation

    Partizipation bezeichnet die aktive Teilhabe an Entscheidungsprozessen, die für eine Gemeinschaft wichtig sind. Eine solche Mitwirkung innerhalb der Schule ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Schülerinnen und Schüler demokratisches Verhalten lernen und ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten können. Diese wichtigen sozialen Kompetenzen erlangen die Schülerinnen und Schüler, wenn sie wirkliche Verantwortung für Teilbereiche ihres Schullebens übernehmen und auch die Konsequenzen dafür tragen.

  • Prävention

    Als Prävention (vom lateinischen «praevenire» für «zuvorkommen, verhüten») bezeichnet man vorbeugende Massnahmen zur Vermeidung eines unerwünschten Ereignisses oder einer unerwünschten Entwicklung (vorausschauende Problemvermeidung). Betroffene Personen sollen mit Präventionsmassnahmen in ihrer Eigenverantwortung gestärkt und zur Selbsthilfe angeregt werden.

    «Prävention nimmt ihren Ausgangspunkt an spezifischen Krankheiten und Störungen. Es orientiert sich am Risikofaktorenmodell und versucht, die Faktoren zu identifizieren, die die Wahrscheinlichkeit für einzelne Krankheiten oder gesundheitliches Risikoverhalten erhöhen. Prävention zielt darauf, eine Krankheit in den Griff zu bekommen oder besser, die Krankheit in ihrem Ausbruch zu verhindern. Dementsprechend konzentriert sich die (schulische) Prävention auf so genannte Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholgenuss usw. Ein typisches Beispiel sind auch Impfprogramme, die verhindern sollen, dass sich Menschen z. B. mit dem Hepatitis-Virus infizieren […]» (Hascher, Suter & Kolip 2001).

  • Produktive Anpassung

    Die produktive Anpassung ist die Bewältigung von alltäglichen Herausforderungen. Im schulischen Kontext bedeutet das, dass Schülerinnen und Schüler wissen, welche Aufgaben sie zu erledigen haben.

  • Psychische Gesundheit

    Psychische Gesundheit ist die Fähigkeit, sich kompetent mit den gesellschaftlichen Anforderungen auseinandersetzen zu können und im Leben auch eigene Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen konstruktiv zu verwirklichen: Balance von Selbsterhaltung (produktive Anpassung) und Selbstgestaltung (Selbstverwirklichung).

    Psychische Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit einer psychischen Krankheit.

    Nach Paulus gibt es zwei Eckpfeiler psychischer Gesundheit: die «produktive Anpassung» und die «Selbstverwirklichung». Nach diesem Verständnis ist die psychische Gesundheit eines Menschen davon abhängig, inwieweit es ihm gelingt, sich mit Herausforderungen seiner soziokulturellen Umwelt konstruktiv auseinanderzusetzen und dabei gleichzeitig auch seine eigenen Anliegen aktiv einzubringen. Psychische Gesundheit bezeichnet also das Ausmass einer individuellen Balance zwischen den beiden Eckpfeilern bzw. zwischen «Selbsterhaltung» und «Selbstgestaltung» (Paulus 2006). Kinder und Jugendliche sind demnach psychisch gesund, wenn es ihnen gelingt, diese beiden Aspekte in Balance zu bringen. Diese Kinder sind beispielsweise in der Lage, sich konstruktiv mit den Anforderungen der Schule und des Unterrichts auseinanderzusetzen und selbstständig etwas zur Schulgemeinschaft oder dem Unterricht beizutragen. Um die beschriebene Balance herstellen zu können, brauchen die Kinder und Jugendlichen neben persönlichen Eigenschaften, wie z. B. starkes Kohärenzgefühl oder Resilienz, Unterstützung durch die Familie, von Freunden, ihrem sozialen Umfeld und auch von der Schule.

  • Psychische Gesundheit und Wohlbefinden

    In der aktuellen Forschung zur Kinder- und Jugendgesundheit wird die psychische Gesundheit in einem Atemzug mit der subjektiven Gesundheit oder gesundheitsbezogenen Lebensqualität genannt. Gesundheit umfasst körperliches, emotionales und soziales Wohlbefinden und Aspekte der Funktionsfähigkeit im Alltag. Lebensqualität und subjektive Gesundheit sind allerdings nicht mit psychischer Gesundheit gleichzusetzen.

    In der Konferenz der WHO (Weltgesundheitsorganisation) in Helsinki 2005 wurde eine europäische Erklärung zur psychischen Gesundheit und zum Wohlbefinden abgegeben: «Wir […] erklären, dass psychische Gesundheit und psychisches Wohlergehen grundlegend für die Lebensqualität des einzelnen Menschen sowie von Familien, Gemeinschaften und Nationen sind. […] Sie ermöglichen es den Menschen, ihr Leben als sinnvoll zu erfahren und sich als kreative und aktive Bürger zu betätigen. Wir glauben, dass das primäre Ziel der Aktivitäten im Bereich psychische Gesundheit das Wohlbefinden und Wirken der Menschen ist, indem auf ihre Stärken und Möglichkeiten gesetzt und dadurch ihre Resilienz gesteigert wird und äussere schützende Faktoren gefördert werden» (WHO-Konferenz Psychische Gesundheit 2005).

  • Psychosomatisch

    Körperliche Beschwerden, die durch Seelisches, z. B. Stress, hervorgerufen werden.

    Psychische Beanspruchung: Wird verstanden als individuelle, unmittelbare und unterschiedlich langfristige Auswirkung der psychischen Belastung von Menschen. Die psychische Beanspruchung wird beeinflusst durch die individuellen Voraussetzungen, Ressourcen und den jeweiligen Zustand des Menschen.

  • Resilienz

    Resilienz bezeichnet die Fähigkeit einer Person (oder einer Gruppe), mit belastenden Lebensumständen erfolgreich umzugehen und daraus Bewältigungskompetenzen zu entwickeln. Für die Unterrichtshefte ist vor allem der Resilienzfaktor «fürsorgliche Beziehungen aufbauen» von grosser Bedeutung: Das Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit zur Schule sowie die Beziehung zu unterstützenden Lehrpersonen haben sich als stärkender und schützender Faktor für die Resilienz und somit für die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schüler erwiesen. Wegen ihres täglichen Umgangs mit jungen Menschen nimmt die Schule bei der Förderung einer unterstützenden Umgebung eine entscheidende Rolle ein. Durch die Förderung von Kompetenzen bei Schülerinnen und Schüler kann ein positives Klassen- und Schulklima erzeugt werden. Sowohl im Rahmen des normalen Unterrichts als auch bei ausserschulischen Aktivitäten gibt es hierfür zahlreiche Möglichkeiten.

  • Ressourcen

    Unter Ressourcen versteht man in der Gesundheitsforschung aktuell verfügbare Potenziale, welche die Entwicklung unterstützen. Das unterscheidet sie von anderweitig gebundenen, nicht mehr oder noch nicht verfügbaren Potenzialen. Beispiel für nicht mehr verfügbares Potenzial: Wegfall einer Beziehungsperson. Beispiel für noch nicht verfügbares Potenzial: Kognitive Fähigkeiten bei einem jungen Kind, die sehr wahrscheinlich erst im Laufe der Entwicklung ausgebildet werden. Beispiel für eine Ressource: Ein Kind hat gelernt, mit negativen Gefühlen umsichtig umzugehen und verfügt nun über die Ressource «Impulskontrolle». Ressourcen lassen sich nach Petermann & Schmidt (2006) in Individualressourcen (genetische Dispositionen, biologische Faktoren, körperliche Gesundheit) und Umfeld-Ressourcen (Familie, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, sozioökonomische Variablen) unterscheiden.

    Individual-Ressource Geschlecht:
    Zum Beispiel weisen Mädchen im Grundschulalter eine höhere körperliche Robustheit und differenziertere soziale Fertigkeiten sowie in manchen Bereichen auch bessere kognitive Fähigkeiten auf als Jungen. Erklärt wird dies mit der schnelleren biologischen und sozialen Reifung von Mädchen in der Kindheit, die mit einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber Entwicklungs- und Verhaltensstörungen einhergeht. Im Jugendalter kehrt sich der Effekt um, hier sind besonders früh entwickelte Mädchen gefährdeter (vgl. Alsaker & Bütikofer 2005).

  • Ressourcenniveaus (Kompetenzstufen)

    Unterschiedliche Lernvoraussetzungen der Kinder werden durch Differenzierung der Übungen berücksichtigt. Die Übungen werden im Unterrichtsteil nicht Klassenstufen oder Altersgruppen zugeordnet, sondern Ressourcenniveaus. Die Ressourcenniveau-Stufen orientieren sich an den didaktischen Grundaufgaben des konstruktivistischen Lernens nach Reich (2008) sowie an dem Stufenmodell unterrichtsmethodischer Kompetenzstufen nach Meyer (2010). Sie können anhand eines Symbols in den Unterrichtsheften erkennen, für welches Niveau die jeweilige Übung bzw. deren Differenzierungen geeignet sind.

  • Risikoverhalten

    Risikoverhalten ist definiert als Verhalten, das mittelbar oder unmittelbar das Wohlbefinden, die Gesundheit oder die Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen kann. Darunter fällt: Straftaten, Substanzmissbrauch und frühzeitige sexuelle Aktivität. Aber auch: inadäquates Erfüllen der sozialen Erwartungen (z. B. schlechte Schulleistungen) sowie ungesunde Verhaltensgewohnheiten (z. B. ungesunde Ernährung, sportliche Inaktivität).

    Psychische Störungen wie Depression, Magersucht oder Bulimie werden ebenfalls als Risikoverhalten verstanden.

    Zum Teil beginnt Risikoverhalten bereits in der Kindheit, zum Teil verfestigt es sich erst in der späteren Jugend. Risikoverhalten von Jugendlichen steht im Zusammenhang mit der Suche nach der eigenen Identität, mit sozialem Protest und dem Austesten eigener Handlungskompetenzen und Grenzen.
    Fast jeder Jugendliche zeigt irgendwann eine Form von Risikoverhalten (z. B. Ladendiebstahl, «Komasaufen»). Bei 10 % bleibt es jedoch bei lebenslangem Risikoverhalten (Reese & Silbereisen 2001).

    Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede beim Auftreten von Risikoverhalten: Mädchen neigen eher zu «femininem» Verhalten wie Medikamentenmissbrauch, Selbstverletzungen oder problematischem Essverhalten. Jungen zeigen eher «maskuline» Formen wie Alkohol- und Tabakkonsum, Gewalthandeln und Kriminalität, Risikosport oder riskantes Verkehrsverhalten (vgl. Raithel 2004).

  • Salutogenetischer Ansatz in der Gesundheitswissenschaft

    Salutogenese:
    Beschreibung von Faktoren, die zur Entstehung (Genese) und Erhaltung von Gesundheit führen.

    Pathogenese:
    Beschreibung von Faktoren, die zur Entstehung (Genese) und Erhaltung einer Krankheit führen.

    Der salutogenetische Ansatz beschäftigt sich, ganz im Gegensatz zur Pathogenese, nicht mit der Frage «Warum wird der Mensch krank?», sondern mit der Frage «Was hält den Menschen gesund?». Für Antonovsky bewegt sich der Mensch ständig auf einem Kontinuum zwischen Gesundheit und Krankheit. Damit sich das Verhältnis beider Variablen im Gleichgewicht befindet oder mehr in Richtung «Gesundheit» ausschlägt, bedarf es verschiedener Ressourcen. Aus Forschungen mit Personen, die extreme Lebenssituationen (z. B. als Gefangene eines Konzentrationslagers) gesund bewältigt hatten, entwickelte Antonovsky das Kohärenzgefühl als globale Orientierung eines Menschen. Das Kohärenzgefühl drückt das Ausmass aus, in dem jemand ein durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens zu sich und seiner Umgebung hat, dass das Leben grundsätzlich verstehbar, bewältigbar und sinnvoll ist.

  • SEL (Social and Emotional Learning)

    Social and Emotional Learning (SEL) ist ein Konzept der internationalen und unabhängigen Organisation CASEL (Collaborative of Academic, Social and Emotional Learning). CASEL analysiert weltweit Programme zur Förderung des sozial-emotionalen Lernens, erforscht deren Wirksamkeit und stellt die Ergebnisse für die Bildungspolitik und die Entwicklung an Schulen zur Verfügung. Das Ziel von CASEL ist es, international das sozial-emotionale Lernen zum Bestandteil der schulischen Ausbildung zu machen (www.casel.org).

  • Selbstkonzept, Selbsteinschätzung, Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeitserwartung

    In der Psychologie wird unter «Selbstkonzept» zumeist die Summe der Urteile einer Person über sich selbst verstanden (z. B. «Ich bin intelligent»). Das Selbstkonzept umfasst die Wahrnehmung und das Wissen um die eigene Person. Dazu gehört das Wissen über persönliche Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben, Gefühle und das eigene Verhalten. Das Selbstkonzept ist das Bild, das Personen von sich selbst haben.

    Die positive oder negative Bewertung dieser Selbsturteile wird «Selbsteinschätzung" oder «Selbstwertgefühl» genannt (z. B. «Es ist gut, dass ich intelligent bin»). Das Selbstwertgefühl resultiert aus dem Vergleich der (vermeintlich) subjektiven Fähigkeiten mit den Anforderungen, mit denen sich die Persönlichkeit in ihrer Umwelt konfrontiert sieht. Mit «Selbstwirksamkeitserwartung» ist die persönliche Überzeugung eigener Wirksamkeit (synonym: Kompetenzüberzeugung) gemeint. Beispiel: «Ich bin davon überzeugt, dass ich in der Mathematikarbeit gut abschneide, auch wenn der Stoff sehr schwierig ist». Zur kompetenten Durchführung einer Handlung gehören nicht nur objektive Fähigkeiten (Kenntnisse in Mathematik), sondern auch die subjektive Überzeugung, diese Fähigkeiten zu besitzen (vgl. Stahlberg, Gothe & Frey 1999).

  • Selbstmanagement

    Selbstmanagement ist die Kompetenz, auf der Grundlage der Kenntnis eigener (positiver und negativer) Gefühle konstruktiv mit diesen umzugehen und die persönlichen Verhaltensweisen regulieren zu können. Man kann Selbstmanagement auch mit Emotionsregulation gleichsetzen. Es geht um die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, ihre Intensität und Dauer zu kontrollieren und das eigene Verhalten entsprechend zu lenken. Das Kind erlebt sich als aktiver Gestalter seiner Handlungsweisen und kann somit eigene Ziele erreichen, ohne andere dabei zu verletzen oder zu schädigen.

  • Selbstverwirklichung

    Selbstverwirklichung ist die Realisierung eigener Lebensvorstellungen und –wünsche. Schülerinnen und Schüler können eigenen Ideen Gehör verschaffen und damit zum Unterricht beitragen.

  • Setting-Ansatz

    Mit dem Begriff «Setting» wird ein überschaubares sozialräumliches System wie z. B. Schule, Kindertagesstätten, Stadtteil oder Familie bezeichnet. Der Setting-Ansatz betrachtet dabei die Rahmenbedingungen von Menschen, die in diesen Organisationen bzw. Netzwerken ihren Alltagstätigkeiten nachgehen. Setting-orientierte Angebote zur Gesundheitsförderung beinhalten Aspekte der Organisationsentwicklung einschliesslich der Änderung der physischen Umgebung, der Organisationsstruktur und der Verwaltung.

  • Sozial-emotionale Kompetenz

    Sozial-emotionale Kompetenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Persönlichkeitsmerkmale und Fertigkeiten, die sich auf die Wahrnehmung und Kommunikation von sowie den Umgang mit eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer beziehen. Synonym verwendete Begriffe: Affektive soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz, emotionale Kompetenz (vgl. Malti, Häcker & Nakamura 2009).

  • Sozial-emotionales Lernen

    Sozial-emotionales Lernen ist ein Prozess, durch den Kinder in der Auseinandersetzung mit sich selbst, mit anderen Menschen und ihrer Umwelt lernen, ihre Gefühle und Handlungsweisen zu entwickeln und wichtige Lebensaufgaben zu bewältigen.

    Sozial-emotionales Lernen befähigt Kinder, ihre Gefühle zu erkennen und zu regulieren, gesunde Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten, sich positive Ziele zu setzen und zu realisieren, persönliche und soziale Bedürfnisse zu erfüllen und aktiv verantwortliche und ethisch vertretbare Entscheidungen zu treffen. Sozial-emotionales Lernen befähigt Kinder zum Perspektivenwechsel und zur Perspektivübernahme und damit zum achtsamen und verantwortungsvollen Umgang mit anderen Menschen unter Berücksichtigung ihrer kulturellen und persönlichen Verschiedenheit.

    Sozial-emotionales Lernen ist ein Baustein zur Förderung von Selbstwirksamkeit und Lebenskompetenzen.

  • Soziales Wissen der Kinder

    Soziales Wissen eignen sich Kinder im Laufe der Zeit an. Es unterliegt einer permanenten Veränderung. Jüngere Kinder nutzen z. B. eher aggressive Arten der Konfliktbewältigung als ältere Kinder, die bereits verschiedene Interaktionsstrategien kennen. Das soziale Wissen der Kinder beinhaltet dabei auch das Wissen über mögliche Konsequenzen von Verhalten, über erreichbare Ziele, kausale Zuschreibungen und die Angemessenheit sozialen Verhaltens. Das soziale Wissen entwickelt sich zum einen durch die Konfrontation mit sozialen Signalen, zum anderen durch Lern- und Sozialisationsprozesse (Hacker 2007).

  • Soziokulturell

    Die Wortverbindung «soziokulturell» bezeichnet den engen Zusammenhang zwischen sozialen und kulturellen Aspekten gesellschaftlicher Gruppen und ihren Wertesystemen.

  • Stimmungen

    Stimmungen sind definiert als anhaltende emotionale Zustände (z. B. gute Laune). Stimmungen basieren auf einer oder mehreren Emotionen (z. B. Freude, Überraschung). Daher ist eine Stimmung nicht unmittelbar veränderbar. Intensive oder langfristige Umweltreize bzw. Aktivitäten sind nötig, um eine Stimmung zu wechseln.

  • Verhaltens- und Verhältnisprävention

    Verhaltensprävention:
    Sammelbegriff für Strategien, die die Beeinflussung von gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen beinhalten. Verhaltensprävention kann abzielen auf die Initiierung und Stabilisierung von gesundheitsfördernden Verhaltensweisen (gesunde Ernährung, körperliche Bewegung, Safer Sex) oder die Vermeidung und Veränderung von gesundheitsriskanten Verhaltensweisen (Rauchen, Alkoholmissbrauch, falsche Ernährung).

    Verhältnisprävention:
    Hierbei handelt es sich um Strategien, die auf die Kontrolle, Reduzierung oder Beseitigung von Gesundheitsrisiken in den Umwelt- und Lebensbedingungen der Menschen und auf die Herstellung gesunder Verhältnisse abzielen. Es gibt viele klassische Felder der Verhältnisprävention, z. B. die Veränderung der Arbeitsbedingungen (Arbeitsschutz, Humanisierung der Arbeit, schulische Gesundheitsförderung), die kommunalen Aktivitäten zur Verbesserung der öffentlichen hygienischen, Wohn-, Verkehrs- und allgemeinen Sicherheitsbedingungen (Bäderaufsicht, Kanalisation), die überregionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten zur Stärkung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Menschen (vgl. Lehmann, 2011 www.leitbegriffe.bzga.de).

    Eine langfristig nachhaltig wirkende Förderung von Gesundheit muss sowohl die Ebene der Person (Verhaltensprävention) als auch die Ebene der Lern-, Arbeits- und Lebensumwelt (Verhältnisprävention) einbeziehen. Die Gesundheits- und Stressforschung hat inzwischen umfangreiche Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Lebens- und Arbeitsumgebungen gestaltet werden sollten, so dass ein gesundheits- und leistungsförderliches Leben und Arbeiten möglich sind.